Eigentlich wollte ich ja schon längst mal einen Beitrag darüber schreiben warum ich Windows seit XP ordentlich satt habe. Zum Beispiel habe ich ungefähr 21 Neuinstallationen von Windows XP innerhalb zwei Jahren Berufsfachschule durchgeführ, da immer etwas nicht oder nicht mehr funktionierte. Während man bei Linux in einem Systemlog suchen kann, was schief lief, bietet einem Windows nur Ereignisse. Meistens sind diese aber ungefähr so aussagekräftig wie ein überfahrener Igel. (Wobei man bei einem Igel wahrscheinlich noch über das Profil des Autoreifens… Egal.)
Aber das ist ja noch nicht alles, denn ich habe heute zum ersten mal ein Windows XP installiert dass so Original war wie noch nie. Und ich habe dabei festgestellt: Die Windows-Aktivierung ist schlimmer als ich jemals geträumt hätte. Nachdem ich nämlich alle Treiber und das Service-Pack 3 installiert hatte, habe ich das Notebook dann in mein WLAN eingeklinkt, damit ich die restlichen Updates, Firefox und Avira installieren konnte. Davor fiel mir die Aktivierung wieder ein, welche ich dann auch mal durchführen wollte. 10 mal. Alle 10 Versuche endeten mit der Fehlermeldung dass diese Kopie von Windows XP nicht aktiviert werden könnten. Die Alternative, bei Microsoft anzurufen und eine Nummer mit 54 Stellen durchzugeben war mir dann doch blöd genug um den Vorgang erstmal abzubrechen.
Also startete ich erstmal die automatischen Updates, wodurch mir zuerst einmal ein Internet Explorer um die Ohren geschlagen wurde, in dem mir Nahe gelegt wurde am besten doch gleich eine Lizenz für Microsofts aktuellste Version der in Software gegossenen Bedrohung zu kaufen, was sie wohl unter dem Namen Windows 7 vermarkten. (Natürlich. Windows 7 ist wesentlich besser als Vista. Für mich dennoch absolut unbrauchbar.)
Nach knapp einer Stunde waren alle Updates aus dem Netz auf das Notebook gefallen, was mich bei der hier vorhandenen DSL-Geschwindigkeit von rasanten 120kb/s wirklich beeindruckt hat. Dass ich dabei nicht sehen konnte wie viele Updates denn schon geladen waren und wie lange es noch dauern würde, Geschenkt. Windows hat es ja sowieso nicht unbedingt mit präzisen Zeitangaben, was Kopiervorgänge betrifft.
Und nach einer weiteren Stunde waren alle 106 Updates (seit Service-Pack 3 [sic!!!]) installiert und Windows wollte mal wieder das tun was es am allerbesten kann: Neu starten. Nach dem Neustart präsentierte mir Windows einen Raubmordkopierabwehr-Dialog, welcher mir sagte ich könnte Windows doch langsam auch mal aktivieren, denn so könnte es die Echtheit der Kopie verifizieren. Bevor ich allerdings die Aktivierung startete ging ein Internet Explorer auf der mir wieder einmal die Empfehlung gab doch lieber gleich ein schnuckeliges Windows 7 zu kaufen. Als ich dann meinen ungefähr siebten Wutanfall hinter mir hatte, habe ich es dann doch mal geschafft die Aktivierung erneut zu starten. Nach zwei Klicks passierte etwas für mich inzwischen unfassbares. Es zeigte mir die Meldung dass die Windows-Kopie erfolgreich aktiviert wurde. Hurra! Nun folgte noch Avira und Firefox und morgen kommen noch einige kleinere Programme drauf.
Hat Windows eine Zukunft?
Vor einiger Zeit hat Microsoft die Entwickler-Version von Windows 8 zum Download zur Verfügung gestellt und da ich ja nicht als Verweigerer von tollen neuen, die Welt verändernden Betriebssystemen gelten möchte, habe ich mir das Drama mal näher angesehen und war ziemlich geschockt. Windows, so wie es bisher jeder kannte, befindet sich jetzt hinter einem Kärtchen in der neuen grafischen Oberfläche die Microsoft als Metro bezeichnet.
Ich sehe in Windows 8 und eigentlich in Windows im Allgemeinen eine große Bedrohung. Viele Leute haben sich inzwischen schon an den Haufen Scheisse gewöhnt mit dem sie da täglich arbeiten müssen und stellen sich nicht die Frage ob es vielleicht nicht doch etwas gibt was für sie funktioniert. Mein Gefühl: Microsoft wird sich mit Windows 8 in eine Richtung manövrieren die sich hauptsächlich auf die Normalnutzer konzentriert, die eben eher technikfeindlich eingestellt sind und sich nicht wirklich damit beschäftigen wollen wie dieser ganze Quatsch funktioniert.
Für mich ist Windows absolut nicht brauchbar, denn es gibt etwas sehr essentielles, ohne das ich nicht arbeiten kann. Und zwar: Ein Terminal, welches nicht von jemandem konzipiert wurde, der sich hauptsächlich auf Kinderspielzeug spezialisiert hat. Was Windows als Terminal anbietet, sortiere ich eher in die Kategorie Kinderspielzeug. Das Terminal brauche ich vor allem, weil ich git darüber nutze. Ich komme nicht damit klar in einem grafischen Interface etwas zusammen zu klicken, wenn ich das auch in der Hälfte der Zeit über einige Befehle in der Kommandozeile erledigen kann. Außerdem programmiere ich durchschnittlich oft Ruby und im äußersten Notfall noch PHP. Während PHP mit relativ wenig Schmerzen unter Windows lauffähig ist, wird es mit Ruby schon wesentlich unangenehmer, vor allem wenn man mehrere Versionen von Ruby laufen lassen möchte, was nötig ist weil man seinen Code auf mehreren Versionen testen sollte.
Und aktuell beschäftige ich mich in meiner Freizeit noch mit der Entwicklung von Apps für iOS, sofern ich nicht gerade episch lange Artikel verfasse, oder Windows neu installiere. Für mich, wird es in nächster Zeit also keinen Rückweg zu Windows geben. Eher werde ich noch einen Mac kaufen und damit meinen Windows-PC ersetzen, eben weil ich mit Mac OS X wesentlich produktiver sein kann als wie ich es jemals mit Windows war.